Ahnengeister

Acamas Briefe III - Der Weg der Orks

Mein Freund Drethak,

es wird dich wundern, dass ich dich hier als meinen Freund bezeichne, standen wir uns doch schon immer mehr als Konkurrenten denn als Freunde gegenüber. Konkurrenten um Ruhm, um Ehre und natürlich um Frauen. So oft standen wir uns gegenüber, so oft haben wir die Fäuste fliegen lassen und übereinander gelästert und geschimpft. Doch ich muss zugeben, dass ich nun unsere Wettkämpfe und Scharmützel vermisse. Nie hatte ich einen besseren Konkurrenten als dich. Früher hätte ich mich gehütet es zuzugeben, doch heute fällt es mir leichter zu sagen, dass ich dich meist nur durch schiere Willenskraft und Wagemut besiegen konnte. Ich konnte mir keine Kraft sparen, kein Hintertürchen offen halten und musste es angehen wie ein wahrer Ork: Direkt.

Heute hüte ich mich davor Dinge einfach anzugehen und ich vermisse wie nichts sonst die Unbekümmertheit unserer Kämpfe. Ich denke mit Freuden zurück und die Sorgen von damals erscheinen mir so leicht. Was konnte damals schon passieren? Seit wir bei unserer Wacht versagten lastet die große Bürde, dass euer aller Schicksal von uns abhängt schwer auf meinen Schultern und ich habe mir seit dem vorgenommen, niemals mehr so unbesonnen vorzugehen und so viel zu riskieren.

Djashu verhält sich in den letzten Tagen mehr wie ein Ork als ich selbst und ich bin sogar versucht, ihr mal richtig die Meinung zu sagen. Ihre dummen, spontanen, riskanten Taten bringen uns und damit euch alle in Gefahr. Wenn wir einen Fehler begehen müssen nicht nur wir selbst dafür büßen. Letzte Nacht hat sie einfach das Haus von Mossa verlassen, um einer Spur von jemand oder etwas zu folgen, dass sie nicht einmal gesehen hat. Raka und ich mussten ihr folgen, um sie nicht allein zu lassen. Die Bewohner des Dorfes hatten uns davor gewarnt in der Zeit des schwarzen Mondes nachts das Haus zu verlassen und wir hatten noch nicht herausgefunden warum genau. Ich muss feststellen, dass ich mich noch immer ärgere, wenn ich darüber nachdenke. Dort draußen hätte alles sein können. Doch wen fanden wir? Svelo, den Jaspreequestor, durch dessen Buch wir erst hier gelandet sind.

Er hatte sich in der Brauerei außerhalb versteckt, da er fürchtete, wir seien die Brenner, die seinen Turm angegriffen hatten. Doch er hatte riskiert des Nachts zum Dorf zu kommen, da er und wir uns in einer ziemlich bösen Lage befinden. Wir sind nun tatsächlich ein Teil des Buches und müssen seine Geschichte zu einem guten Ende führen, denn sonst werden wir vergehen wie die Geschichte des Buchs. Was das heißt wissen wir nicht, doch wir vermuten, dass wir das Böse besiegen müssen, das während dem schwarzen Mond umgeht.

Schon am nächsten Morgen mussten wir feststellen, dass der schwarze Mond ein neues Opfer gefunden hatte. Haselchen, der sich erst gestern Abend noch so nett mit Djashu unterhalten hatte, war verschwunden. Zum Glück ist Raka so eine gute Spurenleserin. Sie fand Haselchens Spur noch rechtzeitig. Seine Kehle war aufgerissen worden, er war steifgefroren und blutleer, doch er lebte. Der große Troll trug ihn zurück, denn Svelo sagte er könnte ihn noch retten. Wieder zögerte ich, denn diese eisige Nacht konnte der Junge draußen nicht überleben. Was, wenn das dunkle Wesen draußen ihn berührt hatte und er nun etwas anderes war wie es die anderen Dorfbewohner sagten? Ich bat Djashu zu schauen, ob sie mehr sah als wir, schließlich hat sie das schon oft. Ich glaube nicht, dass sie das gemacht hat und doch traf sie mal wieder einfach eine Entscheidung. Mit ihrer Magie setzte sie durch, dass wir den Jungen mitnehmen konnten, doch die Situation eskalierte und nun sind beinahe alle im Dorf gegen uns. Sie denken, dass wir Diener des dunklen Wesens sind. Wir haben Haselchen mitgenommen und versuchen ihn zusammen mit Svelo zu retten.

Am Ende bin ich froh den Jungen mitgenommen zu haben, auch wenn wir jetzt das Dorf gegen uns haben. Wer wären wir, wenn wir es nicht wenigstens versuchen würden? Durch mein Zögern wäre vielleicht alles zu spät gewesen. Wir hätten weder den Junge retten können noch hätten wir Svelo so schnell gefunden. Wir hätten sehrviel weniger Zeit gehabt als wir es nun haben, um die Aufgabe des Buchs zu lösen. Ich habe das Gefühl ich sollte unserem orkischen Sinn wieder etwas mehr vertrauen schenken, die Dinge einfach anzugehen.

Dazu brauche ich wieder etwas mehr Unbekümmertheit und den Willen mich der Stärke von anderen zu stellen auf das sie mich selbst auch stärker macht. So will ich den Dingen entgegen sehen und und so will ich zurückblicken auf unsere Kämpfe. Mein Freund, das was du mir gegeben hast und nun durch die Erinnerung wieder zum Leben erweckst, ist die Kraft und den Willen das zu tun was nötig ist. Nicht mehr nur in der Schuld zu versinken, sondern diese mit mir zu tragen und mich ihrer anzunehmen.

Acama

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Bartimaeus

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