Tagebuch

Sanubais Tagebuch

Description:

einfaches Lederbüchlein, bis zur Mitte mit throalischer Schönschrift gefüllt….

13. Mawag
Angekommen. Es ist schlimmer als ich dachte. Heute keine Zeit für Erklärung. Die tölpeligen Träger müssen beim Abladen meiner Kisten beaufsichtigt werden.
13. Mawag 2. Stunde des Jaspree, denke ich. Als könnte man dies unter freiem Himmel sicher wissen….
Da ich hier ja niemanden anderen zum reden habe – vielen Dank, mein lieber Vater – muss ich mich wohl mit diesem Büchlein begnügen. Trost ist mir dabei der Gedanke, dass so zukünftige Generationen von meinem erhabenen Leiden in der abgeschiedenen Wildnis erfahren werden und mein weiteres Lebenswerk in einem umso erstaunlicheren Licht erscheinen wird. Denn, dass sich die Kommenden für mein Leben interessieren werden, das ist gewiss. Die Entbehrnisse hier in dieser Einöde werden mir eben dabei helfen, Zielstrebigkeit und Mut zu beweisen und so zu meinem Triumph in Throal beitragen. Vielleicht kann ich sogar ein Stück kreieren, dass mein Leiden und dann die Rettung durch einen Helden, oder vielmehr vielleicht die Rettung des Helden, der in Gefahr geriet und durch mein beherztes Eingreifen dieser entrinnen konnte, mir dann verfiel, aber sich meiner nicht würdig erwies. Ein gelungenes retardierendes Moment mag auch eine Orkentführung und die geplante Heirat durch den Kavalerieführer sein und dann meine Flucht, bei der die anderen Gefangenen hinderlich sein werden, mein Mut aber alle inspiriert. Ja, diesen Gedanken werde ich verfolgen. Ich habe nun ohne Theater, Bad, Park oder Diskussionsforum genug Muse, dies zu tun – vielen Dank lieber Vater!
15. Mawag
Meine Sachen sind ausgepackt, das “Zimmer” so gut denn möglich hergerichtet. Eingige der Soldaten waren sehr bemüht, mir bei der Stellung der Möbel zu helfen. Hauptmann Saroff scheint mir ein gebildeter und feinsinniger Mann zu sein. Gutaussehend. Er ist mir bereits völlig verfallen. Doch interessiert mich das natürlich nicht.

18. Mawag
Vater sagt, ich wirke schon viel weniger angespannt auf ihn. Als sei ich jemals angespannt gewesen. Außer vielleicht auf der anstrengenden und gefährlichen Reise durch die Steppe und den Servos. Aber die Luft hier soll ja meinen Stimmbändern und der Lunge guttun. Bei diesem Wind kann ich mir das nicht denken, doch im Anbetracht meiner zukünftigen Bühnenkarriere will ich jeden WEg gehen, so hart und steinig er auch immer sein mag, um meinem Ziel einen Schritt näher zu kommen. Ich fühle mich auch weniger schnell ermüdet, dass muss ich zugeben, vor allem seid Papa mir den Talisman schenkte. Ich mag die Musik. Wenn ich abends an meinem Fenster vorbeischreite (ich weiß, dass die Männer mich beobachten, aber ich beachte sie natürlich nicht!) geben mir diese Klänge eine überirdisch ätherische Aura. Feenhaft!
21. Mawag
Ich bin froh, dass Maruna uns begleitet hat. Es ist zu fade hier. Die erste Expedition zur Erkundung des Vorkommens ist aufgebrochen und außer ein paar Bediensteter, dem alten Munukion, ein interessanter, wenngleich schwatzhafter Mann, und Maruna ist niemand hier. Danke, mein Vater. Käme heute ein Espagra, wäre ich dem hilflos ausgeliefert. Wahrscheinlich müsste ich es mit eigenen Händen bekämpfen und so Maruna und Munukion retten. Hätte ICH Flügel, ich würde nach Throal zurück fliegen. Meine Atmung ist viel kräftiger.

27. Mawag
Alle sind nur bei der Werft. Ich bringe den Männern aufopferungsvoll Wasser und Früchte. Maruna will mich nicht begleiten, aber das ist mir einerlei. Ich kenne meine Pflichten als führende Herrin und kümmere mich gerne um das Wohl der arbeitenden Soldaten.

28. Mawag
Fade. Es gab Fleischklöschen. Vater meinte, sie wäre so gut wie die von Mutter. Ach Mutter, du hättest mich nie in die Wildniss gezerrt.

3. Gamihl
Gestern kam eine weitere Karawane mit Werkzeugen, Lebensmitteln, meinen Zeichensachen und anderem Kleinkram und mit Willkar an. Ich bin gewiss, dass nun alles schnell vorangehen wird und wir bald reich, gesund und geprägt durch Entbehrung und Abenteuer als Helden nach Throal zurückreisen werden.

5. Gahmil
Vater versteht mich in keinster Weise. Ich kann doch nicht nur im Haus sitzen! Er ist unterwegs und beaufsichtigt die Arbeiten, aber ich soll hier Kuchen backen und Fleischklöße kochen. Na Danke! dafür ist doch wohl Maruna dabei. Ich habe nur einen kleinen Spaziergang zum See gemacht, da warf er mir vor! Ich, im Weg herumzustehen!!! Vor Willkar!!!! Diese Demütigung! Ich werde nie wieder mit ihm reden! Mein Entschluss steht fest.
7. Gahmil
Sie sind fort. Ich hoffe, ich muss keinen je wieder sehen.

8. Gamihl
Langeweile kenne ich nicht. Ich schreibe an meinem Triumphstück. Varulus wird mir zujubeln, zweifellos.
10. Gahmil
Habe heute eine Taube erlegt. Alleine! Maruna rupft sie gerade. Danach werde ich sie bereiten. Vielleicht werde ich Jägerin, bevor ich mich endgültig nach hartem Abenteurerleben in Throal niederlasse und dort mit meinen tiefsinnigen, sinnlichen Stücken Erfolge feiere und einen Prinzen erhöre.

15. Gahmil
Vater ist zurück. Er will nicht, dass ich in den Wald gehe und meiner Profession nachkomme. Ich habe gestern ein junges Reh erlegt. Gegessen hat er es. Aber der Hypokrit will mir den Wald, das Einsaugen der wilden unbezwingbaren Natur, das Aufgehen in einem weiteren Großen verbieten! Kann man das Atmen verbieten? Das Schlagen des Herzens, den Puls, die Bewegung der Glieder unterdrücken? Nein und nochmals Nein!Er wird mich kennenlernen!
17. Gahmil
Er ist wieder fort. Was soll ich hier nur alleine machen. Munukion experimentiert, Maruna putzt, die Männer beginnen mit dem Bau und ich sitze hier ganz alleine. Niemand spricht, singt und parliert mit mir. Das ist einer Zwergin unwürdig. Was nützt mir der gute Schlaf, die gesunde Farbe und der lange Atem, wenn niemand hier ist, dies zu bewundern und mit mir zu teilen? Soll ich wie andere, deren Namen ich nicht einmal nenne, weil sie mir so egal sind, mit den Bäumen reden? Ich hoffe, wir werden wenigstens sehr reich…
25. Gahmil
Sie sind wieder da! Sie haben erste Kisten dabei! Es muss wohl noch viel gebaut werden, aber bald, bald!
27. Gahmil
Ich werde mir eine neue Waldrobe schneidern. Grün, blau, unterstreicht meine Augen! Mit einem kleinen Tarnkopfputz! Wie entzückend das werden wird!
29. Gahmil
Ich schufte! Maruna hilft mir ein wenig
3. Raquas
Ich habe ein Espagra gesehen! Munukion meint, ich muss sie nicht fürchten, er wird den Untieren schon beikommen, wenn Vater und Willkar ihm nur die richtigen Materialien brächten. Mal sehen.
Ich muss wieder an den Nähtisch, mein Fleiß ist wie mein Wille ungebrochen
4. Raquas
Heute reicht es mir. Sisyphos, sage ich nur. Ich gehe baden!

6. Raquas
Brot gebacken und genäht. Die Arbeiten gehen wohl gut voran. Mein Stück schläft ein. Ich muss morgen wieder ran! Vielleicht nehme ich mein Werk mit zum Badeteich. Dort ist es sehr schön. Ich kann mein Stück mit wechselnden Rollen sprechen. In meinem weißen Kleid sehe ich wie eine unschuldige, zarte Fee aus. Willkar geht dort oft spazieren. Ich hoffe, er versteigt sich nicht darin, mich zu beobachten! Das sollte er wagen! Ich würde ihm gehörig die Meinung sagen!
später
War alleine. Vater ist wieder draußen. Was soll ich hier nur??? Mein Talent verkümmert!!!!
16. Raquas
Munukion ist außer sich. Er will es bald enthüllen. Es soll ein Fest geben. Mein Jägerkostüm ist nahezu fertig, das werde ich tragen! Maruna will ihr blaues Kleid tragen und ein grünes Haarband! Wie bezaubernd werden wir zusammen wirken. Dieser ungebildete Tölpel Saroff scheint sich unsterblich in Maruna verliebt zu haben und sie spricht immer zu von ihm. Nun, meins wäre das nicht, einen Mann zu wählen, weil kein anderer zur Verfügung steht. Nein, das ist nicht meine Art! Aber er kann sich glücklich schätzen eine solche Frau zu gewinnen! Wie lieblich sie ihm beim Fest erscheinen wird!

21. Raquas
Die Vorbereitung sind in vollem Gang! Vater ist ein so guter Herr! Er will, dass sich seine Männer auch in dieser Wildnis wohl fühlen und nichts entbehren müssen! Wir sind dabei kleine Waldhonigkuchen vorzubereiten und es soll ganze Eber über dem Feuer und gan……………

Die Maus

esen ist. Aber dennoch gehe ich immer wieder in den Wald spazieren, denn alleine hier in der Festung laufe ich nur wie ein eingesperrtes Skeorx im Kreis. Munukion hält es in der Nähe der Festung ohnehin für ungefährlich. Außerdem, wenn mein Wohlbefinden meinem Herrn Vater so sehr am Herzen läge, wie Maruna und Tolpo zu glauben scheinen, wäre er längst wieder zurück, um mir beizustehen oder hätte mich gleich wieder mit nach Throal genommen.

9. Veltom
Unsere Vorräte gehen immer mehr zu Neige. Wo die Karawane nur bleibt? Orkbrenner? Der Servos? Espagras oder Vorst? Hätten sie nur Tyrimyoll mit sich genommen, so würde ich nicht um sie fürchten. Heute war ich mit Maruna baden und wir haben mit Tolpo die Apfelbäume beschnitten. Hier wächst jegliche Pflanze wie Unkraut, was uns bei den Bäumen zu Gute kommt. Bald werden wir Äpfel trocknen und Einkochen. Vater liebt frischen Apfelkuchen und wenn er nur bald wieder hier ist, soll er ihn haben!
13. Veltom
Ich kann keinen Apfel mehr sehen für den Rest meines Lebens. Wenn ich wieder in Throal bin, soll mein Haus durch keine Pflanze verunglimpft werden!
17. Veltom
Immer noch keine Karawane. Es gibt weiter Äpfel. Das Mehl ist aus. Danilias Reise ins Unbekannte ist abgeschlossen. Wir beginnen mit den Proben. Ob mich Munukion Tyrimyoll reiten lassen kann?
19. Veltom
Kein Zeichen. Munukions Husten wird schlimmer. Er kann nur noch langsam zu Fuß gehen. Die wenig abwechslungsreiche Kost trägt sicher nicht zu seinem Wohlbefinden bei.
20. Veltom
Ich habe heute ein mir nicht genau bekanntes Tier erlegt. Fleisch!! Meine Figur wird immer elfenhafter, aber heute werden wir schlemmen! Keine Äpfel, Hurrah!
abends, 2. Stunde der Garlen
Naja. Besser als Äpfel, aber ich werde mich nochmals an den Taubenleinen versuchen. So schwer kann es nicht sein.

27. Veltom
Taubenbraten! Die Zucht der Baumpilze ist uns zudem geglückt, wir harren aus. Morgen wollen wir uns zu einem Rat treffen und unsere Lage besprechen!

28. Veltom
Der Rat tagte, ein Beschluss wurde gefasst. Ist die Karawane nicht bis zum 15. Charassa hier, werden wir allein durch den Wald gen Norden ziehen. Durch den Schutz Tyrimyolls müssen wir weder Vorst noch Orks noch schlimmeres fürchten. Meine größte Furcht ist, die Karawane zu finden und zugleich ist das unsere größte, sehnsuchtsvollste Hoffnung. Ich wünschte, ich könnte Papa sagen, wie gut mir das Klima und die Luft getan hat, wie froh ich um meine Stücke und die erlebten Abenteuer bin. Ich wünschte, sie kämen mit den Arbeitern, den Soldaten und einer großen Menge Güter wieder, würden wieder graben, Erde scheffeln und ich könnte ihm soviel Apfelkuchen backen bis er platzte.

2. Charassa
Pilze, Kohl und Seemuscheln. Maruna wird immer unleidiger. Ich habe sie wahrlich nicht gezwungen, mit uns zu kommen. Andere Zwerge in eine Richtung zu drängen läge mir fern. Nein, ich bin kein Püppchen, das einer eigenen Magd bedarf! Nein, meine Liebe, das kann mir nicht angelastet werden! Ich gehe baden!
5. Charassa
Munukion ist tot! Ich kann es kaum glauben! Doch das ist bei allem Leid, das uns überfällt nicht das Schlimmste. Tyrimyoll ist für uns nicht zu leiten, er griff Maruna auf dem Weg in die Kapelle an. Sie konnte sich mit einer klaffenden Wunde ins Haus retten, der Weg nach draußen, zu Tolpo, dem Garten, dem Wild, dem Weg in den Wald, der Werft – alles unerreichbar.
7. Charassa
Maruna stirbt. Was soll ich tun? Tolpo und ich schreien über den Hof. Munukion liegt in der Kapelle. Tolpo will es wagen und sich in den Wald durchschlagen. Die Nacht wird uns nicht schützen, wohl aber der Morgennebel meint er. Doch kann ich Maruna nicht verlassen. Das läge mir fern. Aber werde ich hier nicht verhungern?
8. Charassa
Hunger! Ich hasse diese Kreatur. Schon immer habe ich Tyrimyoll eher für eine Bedrohung als einen Schutz gehalten. Hätte man nur auf MICH gehört… Aber Frauen trauen Männer eben kein Urteilsvermögen zu. Dabei war doch dieses intuitive Gefühl das Richtige. Gefangen im eigenen Haus!
Mit dem Bettpfosten und Haken aus Kleiderbügeln konnte ich uns Äpfel und Salat ins Haus holen. Essen!
10. Charassa
Sie ist tot. Wir brechen beim nächsten Nebel auf. Auf die Karawane hoffen wir ebenso wenig wie auf eine gütige Passion, die uns aus dieser Dschungelhölle befreit. Da könnte man noch eher auf einen Zwergenprinzen als Retter hoffen. Doch so naiv bin ich nicht. Mich in Tagträumen zu verlieren liegt mir fern. Retten können wir uns nur selbst.
Gepäck können wir nun kaum mit uns führen. Das Jägergewand, die Armbrust und eine Decke, Wasserflasche und Feuerstein, Kompass, meine Stücke- das ist wohl alles. Der Leuchtkristall ist im Labor. Der käme uns wie die Apfel- und Pilzreste zupass, doch will ich keinen Zusammenstoß mit Tyrimyoll riskieren. Direkt in den Wald, am See entlang und dann ins Ungewisse, nach Nordosten ist unsere Hoffnung. Besser von Brennern verschleppt als hier zu verhungern! Wenn wir wiederkommen, wird die Bestie bezahlen.

13. Charassa
Maruna stinkt. Es schmerzt mich sehr, ihr keine Ehre erweisen zu können. Ich habe sie in mein weißes Kleid gekleidet und das Zimmer verschlossen.
16. Charassa
Es ist soweit. Jaspree möge uns schütze, Floranus leiten.

Bio:

Tagebuch

Ahnengeister Sioned