Ahnengeister

Der Bund der Geisterwanderer

Erst am nächsten Tag wagen wir den Abstieg. Es kostet uns unser gutes Seil, doch wir alle kommen heil am Fuß des Wasserfalls an. Zitternd und frierend wandern wir dem großen Schlangenfluss unten im Tal entgegen, einzig der Mantel des Nähers bietet Djashu und Raka ein wenig Wärme. Wir laufen direkt über den gefrorenen Fluss. Hier liegt nicht ganz so viel Schnee.

Mit jedem Schritt nimmt der Schnee ein wenig ab. Jeder Meter den wir nach unten gehen wird es ein bischen wärmer. Wir können das draußen sein wieder genießen, können uns darüber freuen, dass wir es geschafft haben die Höhlen unter Throal zu überleben und ein Stück reines Wasser zu bekommen. Grinsend laufen wir weiter, freuen uns auf ein gutes Hurlg, ein richtiges Essen, über die Sonne die auf uns scheint. Da bricht unter uns das Eis.

Die eiskalte Strömung zieht uns mit sich unter das Eis. Hilflos werden wir unter Wasser vorangetrieben. Die Luft wird knapp. Prustend kommen wir an die Oberfläche, ringen nach Luft. Unsere Hände greifen ins leere, rutschen ab. Das Eis hält uns nicht, doch wie aus dem nichts ragt der Rumpf eines Schiffes vor uns auf. Tskrang Hände greifen nach den unseren. Wir werden gepackt und an Bord gezogen. Gerettet.

Doch die Gesichter, in die wir schauen, sind uns nicht freundlich gesinnt. Unser Dank wird nur mit gezogenen Waffen beantwortet. Sie trauen uns nicht und geben uns auch keine Möglichkeit uns zu erklären. Nicht das man das nicht gewöhnt wäre, doch glauben sie im Ernst wir würden ihnen Gewalt antun und ihnen als Dank für unsere Rettung den Schädel einschlagen? Wir werden nach unten ins Schiff gebracht und dort angekettet.

Langsam dämmert uns, an wen wir hier geraten sind. Es war keine Hilfsbereitschaft uns zu retten, es war die Gier. Heute kam ein älterer Tskrang zu uns, musterte uns und schaute ob wir brauchbar und stark sind. Wir sind nicht nur die Gefangenen dieser Tskrang, sie wollen uns als Sklaven verkaufen. Wir reißen an den Ketten, stämmen uns gegen den Balken, der uns festhält. Raka nutzt ihre Klaue, um das Holz um den Ring wegzukratzen. Bald sind wir am Ende unserer Kräfte, haben Schürfungen und verstauchte Glieder, doch ganz gleich was wir tun, unsere Ketten halten stand.

Mit jedem Versuch uns zu befreien sinkt unser Mut und unsere Zuversicht. Neben uns sind noch zwei weitere Angekettet, ein Elf und eine Menschenfrau. Ihr Schiff wurde von den Tskrang aufgebracht und der Großteil der Mannschaft getötet. Wir beratschlagen was wir tun und unternehmen mit dem Elfen einen weiteren Ausbruchversuch. Er tut so als sei ihm schlecht und will der Wache dabei die Schlüssel klauen, doch leider durchschaut der alte Tskrang den Trick und alles was der Elf erntet sind Schläge und Hunger.

Die Tage vergehen und unsere Kraft zerrinnt. Außen wird es immer wärmer, wir werden wohl nach Süden fahren, doch was macht das noch für einen Unterschied. Noch immer liegt unsere Ausrüstung nur wenige Meter vor uns festgezurrt auf einer Kiste. Ein ständiges Mahnmal unseres Erfolgs und Versagens. In unseren Rucksäcken befinden sich das reine Holz, die Erde und das Wasser, das unseren Stamm retten könnte und für das wir so viel auf uns genommen haben, und doch kommen wir nicht heran.

Eines Nachts haben wir alle den gleichen Traum. Nein kein Traum, vielmehr eine Vision. Urgul spricht zu uns, sagt uns wir haben den Weg verlassen und lassen uns Treiben wo wir doch ein klares Ziel vor Augen haben sollten. Nur gemeinsam können wir weiter gehen, dürfen uns nicht verlieren. Die Frau mit dem dritten Auge würde uns den weiteren Weg weisen.

Der Funke ist geweckt und uns allen wird schmerzlich bewusst, wie weit wir uns aufgegeben haben. Djashus Vorwürfe an uns brennen auf der Seele. Wir starken Orks haben uns aufgegeben und sie damit im Stich gelassen. Für einen kurzen Augenblick kehrt der Zweifel zurück, doch mit ihm kommt auch Überzeugung. Wir haben zusammen so viel durchgestanden, sind uns selbst in höchster Not bis zuletzt beigestanden. Wir gemeinsam können den Weg weitergehen egal was noch kommen mag.

Djashu zieht ihren Rubinring aus der Tasche. Über ihn und unser Blut sprechen wir einen Bund der Treue und Zusammengehörigkeit, versprechen stark zu sein und uns beizustehen. Von nun an soll man uns den Bund der Geisterwanderer nennen.

Ein Sturm zieht auf. Wellen schlagen gegen das Schiff, werfen es hin und her. Die Tskrang schreien und zetern doch es hilft ihnen nichts, denn die Geister eilen zu unserer Hilfe. Ein riesiger Geisterhafter Wal erwischt das Schiff mit seinem Schwanz teilt es in zwei Hälften. Unsere Ketten brechen und wir werden ins Wasser geschleudert als das Schiff zu sinken beginnt. Wir retten uns an Land und beobachten, wie auch die Tskrang voller Panik ins Wasser springen und ihr Schiff den Elementen überlassen. Noch immer tost der Wind und schäumt das Wasser. ein Adler kreist über uns mitten im Sturm. Wir nutzen die Gelegenheit und verschwinden im Dschungel.

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Bartimaeus

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