Ahnengeister

Acamas Briefe I - Triumph und Verderben

Meine Brüder und Schwestern,

es mag sonderbar erscheinen, dass ich auf diese Weise schriftlich Kontakt zu euch aufnehme. Ich selber erkenne in mir kaum den wieder, der in seinem jugendlichen Übermut die Wache beim Fest der Ahnen übernahm. Das Schreiben ist mir seit dieser Zeit immer vertrauter geworden und ich entdeckte die Möglichkeit mir in Ruhe Gedanken zu den Dingen zu machen, die ich sonst einfach herausbrüllte. Mein Übermut und meine unbedachten Taten uns alle erst in diese schlimme Lage gebracht. Nun versuche ich neue Wege zu finden, denn ich empfinde seitdem nichts als Demut.

In diesen Tagen liegen Triumph und Versagen so dicht beieinander wie nie zuvor. Wir haben die Stadt aus Feuer betreten, haben dem Diener des Todes getrotzt und sind mitten durch die finsteren Kreaturen bis hin zum Tempel des Floranus gelangt. Nun halten wir das reine elementare Feuer in unseren Händen. Mit dem Holz, der Erde, dem Wasser und nun auch dem Feuer sind wir in kurzer Zeit weiter gekommen, als wir je zu hoffen gewagt hatten und in mir regt sich Hoffnung, euch alle bald wieder zu sehen.

Getragen von den Winden von Floranus segelten wir hinaus, weit über die Nebel der Sümpfe und landeten noch immer beschwingt mitten in der Undurchdringbaren Nebelsuppe. Doch wir waren noch immer guter Dinge und so machten wir uns auch keine Sorgen als wir Stimmen hörten. Ganz in unserer Nähe watete eine Gruppe Tskrang durch den Sumpf. Sie hatten uns nicht bemerkt, doch wirbegriffen sehr bald, wer diese Tskrang waren. Es waren die Piraten, die uns als Sklaven verkaufen wollten und uns zuvor all unsere Hoffnung genommen hatten. Nun sollten sie sehen, dass wir Orks keinen Spaß verstehen, will man uns unsere Freiheit nehmen.

Welch großer Fehler, uns direkt in seine Arme zu begeben! Wir lebten unsere Rache aus. Auch wenn die Tskrang tapfer kämpften, mit unserem Verbündeten ließen wir keinen entkommen. Es war der Schatten dessen, der euch und uns alle ins Verderben riss, der uns in diesem Moment half. Wir gaben uns der Rache hin und die Rache ist sein Element. Er zeichnete Raka und wie ich fürchte uns alle und sagte, dass wir sehr bald wieder an seiner Seite kämpfen würden.

„Niemals!“ würde ich sagen, doch ich spüre seit diesem Tag eine Wut in mir, die ich kaum unterdrücken kann. Unser großer Triumph wurde zu einer großen Niederlage und ich fürchte, dass all die Wut, die wir ständig spüren uns sehr bald zum Verhängnis werden wird, wenn wir nicht lernen uns von dem Fluch des Racheschattens zu befreien.

Ich werde darum kämpfen, den Schatten der Rache abzuschütteln, und alles versuchen, niemals wieder etwas zwischen uns kommen zu lassen. Keine Kreatur, keinen Dämon und auch nicht den Schatten eines rachelüsternen Orks. Bald schon werden wir wieder beisammen sitzen und diese dunklen Tage werden nichts weiter sein als alte Geschichten.

Acama

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Bartimaeus

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